Was für eine Zeit! – eine Zeit für virtuelle Gedanken

Wie viele Wochen sind wir nur schon im Home-Schooling-Modus? Sind es fünf, sind es sechs? Zählen wir jetzt die Ferien dazu oder nicht? Eines ist sicher: Es ist eine lange Zeit und sie sollte langsam enden. Ich zumindest brauche wieder meine Schüler um mich herum, ich brauche wieder Small-Talk und Humor, ich brauche meine Kollegen und wieder andere Gesichter, und die ganz real, nicht per Videokonferenz.

Wird sich etwas geändert haben, wenn die Normalität wieder Einzug gehalten hat? Ich glaube, dass es nicht viel sein wird. Sind wir doch alle Sklaven unseres eingeübten Verhaltens. Vielleicht wird es etwas mehr Digitalisierung geben. Ob das ein Segen werden wird, wird sich zeigen, zumal die Probleme, die wir wirklich haben, keine sind, die wir mit Digitalisierung lösen können. Ich befürchte, dass viele unserer Kollegen jetzt nur noch ein Medium entdeckt haben, mit dem sie ihre Lehre optimieren können. Ob das für die Schüler immer gut ist?

Und was bedeutet der Einstieg ins Home-Schooling für uns, die größte Gruppe der Beratenden im bayerischen Schulsystem? Vielleicht können wir ja den Schwung mitnehmen und uns in eine Richtung entwickeln, an deren Anfang die Kontaktaufnahme über das Internet steht. Stop! Für alle Schnellleser und Überflieger: Ich will keine digitale Beratung. Ich will, dass wir - vielleicht sogar einigermaßen einheitlich - eine Beratungsplattform auf der Schulwebsite entwickeln, auf der sich Ratsuchende einloggen und den Kontakt zu uns Beratungslehrern aufnehmen können. Wir können dann gegebenenfalls zurückschreiben oder anrufen oder auch nur Material schicken.

Warum sollten wir das tun? Weil gerade unsere Schüler so sind, wie sie sind! Die meisten sind kommunikativ schüchtern. Wie groß muss bei einem gewöhnlichen Pubertier der Leidensdruck sein, dass es sich freiwillig an eine Telefon setzt und die Beratungslehrkraft anruft? Wie viel größer muss er sein, dass es ins Sekretariat geht und sich zur Beratung anmeldet? Anrufen oder jemanden direkt ansprechen ist peinlich. Da kann man zu viel falsch machen. Eine kurze Nachricht schreiben ist einfacher; das können unsere Schüler. Und möglicherweise senkt das auch die Schwelle der Eltern, die inzwischen auch zu den Digital Natives gehören.

Es ist nur ein Gedanke in dieser digitalen Zeit. Wir haben das Thema schon einmal am Ministerium angesprochen. Die Reaktion war höflich ... Vielleicht ist die Zeit jetzt etwas reifer.

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