Und wo bleiben die Lehrer? – Ein Denkanstoß

Wenn man sich durch die Gazetten und Websites arbeitet und mehr zum Thema "Schule und Corona" erfahren will, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass es viele Schüler gibt, die massiv unter den Folgen der Seuche und auch den Maßnahmen dagegen leiden. Es gibt beängstigende Zahlen, die dokumentieren, wie viele Schüler mehr seit dem Beginn der Krise in psychologischer Behandlung sind.

Was man nicht hört, ist, wie die anderen am "System Schule" Beteiligten mit der Krisensituation zurechtkommen. Fragen wie, wie sich die Krise auf Schulleitungen oder auf die Lehrer auswirkt, stellt niemand. Im Gegenteil: Hilfen, die über den sehr sinnvollen Bereich "Lehrergesundheit" geleistet werden könnten, sind kaum  noch möglich, weil erst seit Kurzem ein legales Videotool für die Beratung da ist oder weil Kollegiale Fallberatung nur noch an der eigenen Schule möglich ist. Das ist einerseits verständlich, weil die allgemeinen Maßnahmen natürlich auch auf diesen Bereich übertragen werden sollen. Andererseits zeigt es auch, dass Problemen unserer Kollegen wenig Beachtung geschenkt wird.

Woran mag das liegen? Möglicherweise erst einmal an uns Lehrern selbst. Wir sind es gewohnt, als Beamte immer wieder mit Problemen konfrontiert zu werden, die wir, ungeachtet unserer Kernkompetenzen und - aufgaben, zu lösen haben. Als Beispiel nenne ich hier nur den Bereich Inklusion. Wir haben es auch gelernt, unser professionelles Handeln auf das zu reduzieren, was wirklich wichtig scheint: Lehrplanerfüllung und Notengebung. Wir habe es auch gelernt, da zu improvisieren, um durchzukommen. Wir haben aber auch gelernt, dass es niemanden interessiert, wenn wir unter bestimmten Umständen leiden.

Keine Schulleitung will das hören, kein Schulamt kann etwas dazu beitragen, wenn die junge Kollegin, die bewusst Teilzeit arbeitet, weil sie zu Hause zwei schulpflichtige zu versorgen hat, einfach nicht mehr kann, weil sie zu Hause zu normalen Zeiten keine Ruhe mehr zum Korrigieren mehr findet, daher alles in die Nacht verschiebt ... Wir können alle diese Geschichte weitererzählen, denn diese jungen Kollegin ist keine Ausnahme.

Aber was macht diese junge Kollegin, wenn sie sich wirklich auf das Wesentliche beschränkt und merkt, dass die Leistungen ihrer Schüler schlechter werden. Mit der möglchen Nonchalance wird sie  das ausschließlich auf die Corona bedingten Lernrückstände ihrer Schüler zurückführen; mit etwas Blick auf sich selbst, wird sie feststellen, dass aufgrund ihrer Belastung auch ihr Unterricht schlechter geowrden ist. Aber kann sie dafür ihren Schüler bessere Noten geben? Kann sie ihre Erwartungen an die neuen Bedingungen anpassen? Aber müsste sie das nicht beispielsweise im Bereich der Grund- und Mittelschule mit ihren Kollegen uns Kolleginnen absprechen? Und was ist, wenn die das nicht wollen? Wer gibt ihr eine Antworten auf diese Fragen? Wie auch immer sie auch lauten können, sie werden immer darauf hinauslaufen, unsere Kollegin wird nicht glücklich damit werden, weil das, was sie tun muss, nicht dem entspricht, was sie tun will.

Wie gesagt: diese Kollegin steht nicht alleine da. Und es gibt bestimmt noch drastischere Fälle, wenn man an den ganz normalen familiären Wahnsinn denkt, der noch dazu kommen kann: Kranke Angehörige oder Kinder, eine Hausbau, bei dem nichts vorangeht, weil Material nicht geliefert werden kann ...

Was hat das mit uns zu tun? Wir können helfen. Wir können uns als Beratungslehrkräfte in Position bringen. Wir sind die Experten, wenn es um Hilfe im System geht. Wahrscheinlich können wir ja nicht die Materialien für das neue Badezimmer besorgen, aber wir können aus der düsteren schwarzen Wolke, die über dem Kopf unserer Kollegin schwebt, etwas Fassbares und klar Strukturiertes machen, das man ordnen und bewältigen kann.

Bringt euch ins Gespräch! Bietet Hilfe an! Wenn ihr es nicht macht, wer soll es dann tun? Auf Hilfe sollten wir nicht warten.

Und ganz unter uns gesagt: Das wäre eine große Chance, auch im Kollegium sichtbar zu werden.

Schlussgedanken: Dass niemand sehen will, wie die Lehrer unter dieser Krise leiden, das ist auch dem Umstand geschuldet, dass Lehrer keine Lobby und keine hörbare Vertretung haben. Auch das, woran das liegt, muss ich hier nicht noch einmal ausbreiten. Da das aber so bleiben wird, sollten wir die Sache im Kleinen in die Hand nehmen.

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