Halbjahresgespräch im Kultusministerium

InDie 90 Minuten, die die Videokonferenz dauerte, waren wie im Flug vergangen. Das Gespräch, an dem vom Referat IV/9 die Ministerialräte Reuthner und Zerpies sowie Frau Schmitt und vom bib die Vorsitzenden Höhendinger und Feja teilgenommen hatten, war sehr konzentriert und ergebnisorientiert:

An den bib traten die Vertretern des Ministeriums mit der Bitte heran, dass sie ihre Mitglieder und die anderen Beratungslehrkräfte dazu ermuntern, dafür zu sorgen, dass auf der Homepage der Schule, also auf der Startseite, ein Link zum Beratungsbereich stehen sollte. Nur so könnten Lehrer und Schüler schnell und unkompliziert zu den Beratungseiten gelangen.

Die KM-Mitarbeiter würden den bib-Vorstand auch weiterhin in Zukunft im Vorfeld von Gesprächen mit den Fachabteilungen unterstützen, damit sie diese möglichst erfolgreich gestalten können. Dies sei sicherlich sinnvoll, da es ja in den einzelnen Schulabteilungen keine Referate gibt, die ausdrücklich für die Schulberatung zuständig sind.

Den Schwerpunkt des Gesprächs bildete das Thema "Beratungslehrkräfte als Lernexperten der Schule". Herrn Reuthner erklärte, dass er es für die Beratungslehrkräfte als sinnvoll erachte, dass die Beratungslehrkräfte ihr Profil schärfen. Das könnte - besonders unter den derzeitigen Bedingungen der Corona- und der Ukrainekrise -  sein, dass sie ihre Kompetenzen im Bereich der Lernförderung an den Schulen deutlicher herausstellen. Hier hätten sie gerade jetzt die Chance, ihre Expertise einzubringen, die dringend benötigt würde: "Beratungslehrer sind diejenigen, die mit ihrem Wissen und ihren Kompetenzen in der Gegenwart dringend benötigt werden und die Lernlandschaft der Zukunft prägen können." Dazu sollen sie an ihren Schulen darauf drängen, dass alte Förderkonzepte, die sich oft als wenig wirksam erwiesen haben, überarbeitet oder ganz neu entwickelt werden. "Dabei sollen Beratunsglehrkräft eine wichtige Rolle spielen." Der bib-Vorsitzende Christian Feja sieht sehr viel Potential in diesem Vorschlag: Hier hätten die Beratungslehrkräfte die Chance, aktive Einfluss auf die Schulentwicklung zu nehmen und zumindest in einem kleinen Bereich der Schule einen Perspektivewechsel einzuleiten, indem man Lernförderung mehr von den Bedürfnissen der Schüler her denkt. "Die Beratunsglehrkraft als Lernexperte der Schule - das hat was!"

In den Gesprächen mit den Vertretern der Elternverbänden wurde die Bitte geäußert, dass man das Ministerium darüber informieren sollte, dass es dringend nötig sei, die Lehrer so auszubilden, dass sie souverän Gespräche mit den Eltern führen können. "Da scheinen noch viele Ängste und veraltete Rollenbilder im Spiel zu sein", so Claudia Höhendinger. Herr Zerpies erklärte dazu, dass es dieses Problem sicherlich schon lange gebe; dennoch werde man sich überlegen, wie hier Abhilfe geschaffen werden und wer diese Aufgabe übernehmen könne.

Ein weiteres Thema war die Situation der Schulberatung im Grund- und Mittelschulbereich: Momentan kaum zu lösen ist das Problem, dass Beratungslehrkräfte Schwierigkeiten haben, ihre Filialschulen angemessen zu betreuen und dort wirklich sichtbar zu werden. Dass es Beratungslehrkräfte an Grund- und Mittelschulen gibt, die "acht Anrechnungstunden" haben und man von ihnen erwarten könne, dass sie "mit etwas Organisationsgeschick", das Problem lösen können, würde dagegen sprechen, die Anrechnungstunden zu erhöhen. Gegen das Modell, mehr Beratungslehrkräfte einzusetzen und so für jede die Anzahl der Filialschulen für den Einzelnen zu reduzieren, spricht, dass es zu Zeit an sich schon zu wenige Lehrer im Grund- und Mittelschulbereich gibt und die Stunden für den normalen Untericht gebraucht würden.

Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Vorschlag von Herrn Reuthner, der darauf abzielt, die Zusammenarbeit der Beratenden zu optimieren: Am Anfang des Schuljahres treffen sich die Berater (Beratungslehrer, Schulpsychologen, MSDler ... ) mit den Schulleitern und klären, welche Arbeiten anstehen und wie sie verteilt werden. Für uns Beratunsglehrkräfte würde das bedeuten, dass uns auch die Schulleiter von Anfang an zu Kenntnis nehmen und in ihre Konzepte einbeziehen können. Sichtbarkeit wäre also auch hier garantiert.

Fazit: Sehr intensiv, sehr konstruktiv.

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