Sichtbar werden

Quasi zu einem gegenseitigen Antrittsbesuch kamen der neue Bib-Vorstand (Feja. Höhendinger und Masch) und der neue Kultusminister Prof. Michael Piazolo im Staatministerium für Unterricht und Kultus zusammen. Frau ltd. Minsterialrätin Sylvia Gürtner und Minsterialrat Zerpies sowie Frau Wiesmeier vervollständigten die informative Runde.

Der Vorstand legte dem Minister die Situation der Beratungslehrer dar und betonte dabei das Missverhältnis zwischen den Aufgaben und der Ausstattung mit zeitlichen Ressourcen sowie das große Problem, dass zur Zeit Beratungslehrer anscheinend immer weniger zur Kenntnis genommen würden. Sehr interessiert zeigte sich der Minister vom Vorschlag des bib-Vorstandes einen bayernweit einheitlichen Beratungstag sowie ein einheitliches Beratungsportal für alle schulinternen Beratungseinrichtungen einzuführen.

Einen großen Raum nahm auch die Zukunftsperspektive für die Beratungslehrer ein, die Klaus Masch vom bib-Vorstand vor dem Minister entwickelte: Er sieht den Beratungslehrer gerade bei der momentanen Entwicklung, die von immer mehr semiprofessionellen Angeboten geprägt ist, als systemkompetenten Koordinator, der den Überblick über den Beratungsprozesse hat und auch dafür sorgt, dass die Beteiligten ausreichend fortgebildet werden und dass die Qualität der Arbeit überzeugt.

Der Minister sicherte dem Vorstand zu, die Anregungen zu überdenken und bei zukünftigen Entscheidungen im Auge zu behalten. Ihm selbst war es wichtig zu erfahren, inwiefern sich die klassische Schullaufbahnberatung, besonders beim Übertritt von der Grundschule an eine weiterführende insofern positiv auswirkt, als es in den Jahren danach weniger Schüler gibt, die die Schule wechseln. Ein Gedanke, der in diesem Zusammenhang aufkam, war, den Infoelternabend an der Grundschule in der 3. Jahrgangsstufe auf- und den in der 4. Jahrgangsstufe abzuwerten, weil die Eltern sich oft schon recht früh für ein weiteren Weg ihres Kindes entscheiden würden.

Der Minister will auch in Zukunft darauf achten, dass er, wenn er in der Öffentlichkeit die Schulberatung erwähnt, auch die Beratungslehrer wieder deutlich häufiger und lobend erwähnt.

Das Gespräch mit Staatsminister Piazolo war für den bib-Vorstand der vorläufige Höhepunkt einer Reihe von acht Gesprächen innerhalb von weniger als einem Vierteljahr, die der bib-Vorstand führte. "Bei sieben von diesem Gesprächen fanden wir für uns offene Türen vor, was uns Mut für die Zukunft macht", erklärte der Landesvorsitzende Christian Feja, "Wir sehen viele Schnittmengen mit Parteien im Landtag und den Verbänden" Gerade bei den Positionen der Elternverbände sehe der Vorsitzende viele gemeinsame Interessen, wobei er einschränkte, dass es bislang nur Gespräche mit dem LEV-RS gegeben habe.

Nur ein einziges Gespräch im Vorfeld des Besuchs beim Straatsminister sei unerfreulich gewesen. "Wir kamen uns so unerwünscht vor wie die Vertreter einer nach Autonomie strebenden Minderheit bei einem Gespräch mit der konservativen Zentralregierung", so Feja. Eigentlich hätten sie nach fünf Minuten wieder gehen können. Der Vorstand werde sich jedoch dadurch nicht entmutigen lassen. "Wir haben noch fünf Gespräche mit bildungspolitischen Sprechern von Parteien und mit den großen Verbänden. Darauf freuen wir uns. Dann sind wir auf dieser Ebene erstmal sichtbar." Danach werde es darum gehen, noch klarer Position zu beziehen und sich je nach Sachlage Partner zu suchen, mit denen man gemeinsame Interessen aktikulieren und durchsetzen kann. Die Voraussetzungen dafür würde man sich gerade schaffen.

3 Kommentare zu “Sichtbar werden

  1. Claudia Haas

    Gut, dass Ihr die bewährten Gespräche fortführt und die Chance nützt, die die neue politsche Konstellation bringt.

    Es ist viel Arbeit – ich weiß es
    Viele Grüße
    Claudia

  2. Bernd Jonas

    Danke für euer Engagement und euren Biss!
    Ich werde gespannt in Zukunft darauf achten, ob, wann und wie wir Beratungslehrkräfte in der Öffentlichkeit “deutlich häufiger und lobend” erwähnt werden. Und: was sich daraus dann auch tatsächlich entwickelt.

    Herzlicher Gruß
    Bernd

    1. Christian Feja Autor des Beitrags

      Hallo Bernd, da sind wir auch gespannt, aber es scheint schon zu wirken: Heute gaben die Freien Wähler eine Presseerklärung heraus und, siehe da, neben den üblichen Verdächtigen wurden die Beratungslehrer besonders erwähnt. Gut Ding braucht Weile.
      Wie wirksam wir sein werden? Richtig viel Macht werden wir nicht entwickeln können, dazu sind wir zu klein. Zusammen mit anderen könnte es gehen, aber die müssen uns erstmal kennen und wissen, was wir wollen. Daher geht es jetzt am Anfang nur um eines : sichtbar werden.
      Vielleicht werden wir ja zum Robin Hood im bayerischen Beratungsdschungel (das war die schiefste Metapher, seit wir uns kennen).
      Btw. mach mal Werbung für uns bei jungen Kollegen. Das müsste doch klappen bei deinem Charme.
      Bis bald einmal.

      Christian

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