Gedanken zum Ende des Schuljahres

Liebe Mitglieder, liebe KollegInnen, liebe Freunde und Freundinnen

„Dass man mit so einem kleinen Verband so viel Wirbel machen kann! … Darauf können Sie stolz sein“, raunte mir bei einem unserer letzten Gespräche meine Sitznachbarin zu. Und wir sind tatsächlich stolz darauf, dass wir so sichtbar wurden, dass es zu leichten diplomatischen Verstimmungen führte. Sicherlich, die Verstimmungen tun uns schon deshalb aus der Seele leid, weil wir niemanden verstimmen wollen und weil wir es uns als kleiner Verband gar nicht leisten können, große Gegner zu haben. Aber ein kleiner Teufel in mir sagt: „Frau Kollegin, Sie haben Recht. Wir sind wirklich darauf stolz.“ Wir sind sichtbar geworden, wenn auch noch nicht überall, wo es nötig ist.

Im letzten halben Jahr führte der Vorstand viele Gespräche mit Mitgliedern des Bildungsausschusses im Landtag, mit den Vorständen der Lehrer- und Elternverbänden und mit den zuständigen Stellen am Staatsministerium. Dabei wurde jedoch deutlich, dass wir noch viel mehr unsere Arbeit nach außen darstellen müssen. Bei fast allen Gesprächen zeigte sich, dass unsere Gesprächspartner allenfalls eine gewisse Ahnung davon hatten, was wir arbeiten. Von dem, was wir leisten und leisten müssen, wusste kaum jemand etwas Genaues. Häufig war die Reaktion in den Gesprächen: „Das wussten wir gar nicht, dass Ihr Aufgabenbereich so groß ist!“ - Und das bei Entscheidungsträgern! Eine löbliche Ausnahme bildete da die Abteilung von Ltd. Ministerialrätin Gürtner, die für uns zuständig ist und bei der wir uns gut aufgehoben fühlen.

Wenn wir also in Zukunft noch mehr erreichen wollen, müssen wir das „Sichtbar werden“ intensivieren: Es reicht nun nicht mehr, dass wir jetzt im bildungspolitischen Bereich sichtbarer sind, wir müssen es jetzt auch schaffen, dass unsere Partner auch das sehen, was wir leisten. Und dazu brauchen wir euch.

Ich weiß, dass das vielleicht der falsche Satz war und viele sich jetzt denken: Wir zahlen doch einen Beitrag, soll der Vorstand das doch machen! Aber es gibt Bereiche, an die kommt der sehr fleißige Vorstand nicht heran; beispielsweise an den Schulleiter. Sicherlich, wir könnten jetzt auch noch bei einer der vielen Schulleitertagungen erscheinen und über den Beratungslehrer im Allgemeinen referieren, aber das wird euren Schulleiter oder eure Schulleiterin nicht überzeugen. Überzeugen könnt nur ihr, indem ihr mit ihm über eure Tätigkeit redet, indem ihr euch als Beratungslehrer in den Konferenzen zu Wort meldet, indem ihr die Abgabe des Tätigkeitsberichts zur Eigenwerbung nutzt und indem ihr auch mit den Schulräten ins Gespräch kommt und beispielsweise Fortbildungen zur Gesprächsführung anbietet. Das alles kann ein Vorstand nicht leisten. Da sind wir auf eure Mitarbeit angewiesen. Aber diese Werbung brauchen wir, damit auch die im besten Sinn des Wortes entscheidenden Stellen uns nicht zwischen Verbindungslehrer und Berufsberater einordnen. Oder eventuell sogar, wenn es darauf an kommt, dem Systembetreuer die Entlastungsstunde zukommen lassen, weil sie von ihm ganz konkret anhängig sind.

Und was nehmen wir noch mit aus diesem halben Jahr? Die Erkenntnis, dass es vielleicht sinnvoll wäre, ein schon etwas älteres Konzept wieder aufzugreifen: „Der Beratungslehrer als Anwalt des Schülers“. Denn den Schüler hat in der Bildungspolitik kaum jemand im Blick. Da geht es um Funktionsstellen und Anrechnungsstunden, um Stundentafel und Lehrpläne. Da geht es darum rechtliche Grundlagen zu schaffen und Ressourcen zur Verfügung zu stellen; aber das, was der einzelne Schüler braucht und zu leisten fähig ist, ist kein Thema. Es ist auch gar nicht möglich, weil die Entscheidungsträger entweder noch nie oder nur kurz oder nicht im vollen zeitlichen Umfang unterrichtet haben bzw. unterrichten. Und die anderen Lehrerverbände? Ich wage es zu bezweifeln, ob sich – um nur einen zu nennen – der Bayerische Geschichtslehrerverband darüber Gedanken macht, wie die Schüler mit den historischen Inhalten zurecht kommen. Kurz: bis auf den Landesschülerrat, der auch eher politische Interessen vertritt, gibt es eigentlich nur die Elternverbände, die das Wohl des Schülers im Blick haben – und eben uns. Das sollten wir nützen. Lasst uns deutlicher als die Pädagogen im Schulsystem auftreten! Widersprecht den Mitarbeitern des Direktorats, wenn sie wieder einmal eine pädagogisch sinnvolle Neuerung mit dem Satz vom Tisch schieben: „Das geht vom Stundenplan her gar nicht anders.“ Alles geht, wenn man es will. Oft kommt es nur auf die Perspektive an. Unsere Schule wird viel zu sehr von der Verwaltung her gedacht, von den Ansprüchen der Lehrer und von der vermeintlichen Öffentlichkeitswirkung einer Schule. All das ist oft wichtiger als das Wohl des Schülers. Lasst uns als Beratungslehrer zu deren Sprecher werden, auch aus Selbstschutz. Denn wo tauchen die entmutigten und desillusionierten Kinder und Jugendlichen denn auf, wenn es meist schon zu spät ist? Bei uns! Darum lasst uns präventiv arbeiten. Darum lasst uns noch mehr zur pädagogischen Stimme in einem Verwaltungsorchester werden. Wir müssen nicht nur sichtbarer werden, sondern auch hörbarer.

Zum Schluss möchte ich mich auch im Namen des ganzen Vorstandes noch einmal ganz herzlich bei euch bedanken für die Unterstützung durch eure Mitgliedschaft und besonders auch bei denjenigen, die uns immer wieder durch ihre Kommentare, ihren Zuspruch und ihre Rückmeldungen Mut gemacht haben. Nur so können wir unsere Arbeit motiviert leisten.    

In diesem Sinne wünsche ich euch erholsame und schöne Ferien.

Christian Feja, Vorsitzender

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